Japan 2026
In der Zeit vom 12.05. bis zum 05.06.2026 haben wir Japan bereist. Als Reisemittel haben wir den Zug genutzt. Aus Bequemlichkeit haben wir uns den JR Pass gekauft, obgleich er recht teuer ist. Hier der Reiseverlauf:
12.05. Abflug Frankfurt
13.05. Ankunft in Tokio
14.05. Tokio ( MORI Building digital Art Museum, MORI Tower, Azudibahills Sky Lobby, Tokio Tower, Scramble Suare, Shibuya Crossing, Memiji Schrein, Takeshita Straße, Shinjuku Golden Gai )
15.05. Tokio ( Ryugoku ( Sumo-Ringer ), Ginza, GINZA SIX ROOFTOP GARDEN, NTV Big Clock, Hamarikyu Park, Tokyo Metropolitan Government Building )
16.05. Tokio ( Tsukiji Outer Market, Odaiba Statue of Liberty Replica, Unicorn Gundam Statue, Kaiserpalast, Senso-Ji Schrein, Asakusa Schrein, Tokyo Skytree )
17.05. Fahrt über Odawara nach Hakone ( Odawara Schloß, Bergzug nach Gora, Tozan Cable Car, Hakone Seilbahn, Lake Ashi )
18.05. Hakone ( Kintoki Schrein, Mt. Kintoki ( Blick auf den Fuji ), Lake Ashi, Piratenschiff)
19.05. Fahrt nach Nagano ( Zento-ji Tempel, Zenkoji Omotesando Shoppingmeile )
20.05. Nagano ( Snow Monkeys )
21.05. Fahrt nach Kanazawa ( Omicho Market, Kanazawa Schloss, Kenroku en, Naga-machi Viertel, Numura-ke Samurai Residenz, Oyama Schrein)
22.05. Kanazawa ( Fahrt zum Shirakawa-go Bergdorf, Higashi Chaya Viertel )
23.05. Fahrt nach Kyoto ( Nikishi Market, Ginkaku-ji Tempel, Philosophers Path, Kiyomizu-dera Tempel, Gion Viertel, Yasaka, Pontocho Alley )
24.05. Kyoto ( goldener Tempel Kinkaku-ji Tempel, Ryoan-ji, Kaiserpalasst, Burg Nijo, Fushima Inari Tempel ( die roten Bögen ), Fushimi Inari Bamboo Forrest )
25.05. Fahrt nach Nara ( Nikishi Market, Kyoto Sky Tower, Kofuku-ji Tempel, Nara Park mit den Hirschen, Kaidan-in Tempel, Nigatsu-do Tempel, Naramachi Tempel, Holzgate von Todai-ji, Sagi Pond )
26.05. Fahrt nach Osaka ( Kasuga-Taisha Schrein, Yoshikien Garten, Great Buddha Hall, Todaiji Tempel, Dotonbori, Ebisu Riesenrad )
27.05. Osaka ( Osaka Schloss, Tenijinbashi-suji, Riesenrad, Osaka Aquarium Kaiyukan, Tempozan )
28.05. Osaka ( Yasaka Schrein, Namba Canyon, Amerika-mura, Kuromon Markt, Umeda Sky Building, Yodoyabashi )
29.05. Fahrt nach Hiroshima ( Shukkei-en Garten, Neighborly Brewing )
30.05. Hiroshima ( Hiroshima Schloss, Hiroshima Friedensmuseum, Friedensdenkmal, Memorial Hall for the Atomic bomb victims, Victims Memorial cenograph, Flame of Peace, Children Peace Memorial, Atomic Bomb Memorial Burial Mound, Korean Atomic Bomb Victims Cenograph )
31.05. Hiroshima ( Miyajima Insel, Isukushima Schrein, Daishoin Tempel )
01.06. Fahrt nach Kamakura ( Strandspaziergang )
02.06. Kamakura ( buddhistischer Tempel Kotoku-in, Hasedera )
03.06. Fahrt nach Tokio zum Flughafen und später Abflug
04.06. Zwischenstopp in Hongkong mit 22 Stunden Aufenthalt
05.06. Ankunft in Frankfurt
Hier der Reisebericht:
Japanreise: Von Tokyo bis Hiroshima und zurück
12.05. – Aufbruch Richtung Japan
Die Reise begann mit der Zugfahrt von Münster nach Frankfurt. Es gab nur eine leichte Verspätung, was für die Deutsche Bahn fast schon als persönliche Verabschiedung mit Bestnote durchgeht.
Danach klappten die Flüge – und sogar die weiteren Zugverbindungen – erfreulich problemlos. Nur ein kleines Taschenmesser musste in Hongkong zurückbleiben. Es hatte offenbar andere Reisepläne als wir.
13.05. – Ankunft in Tokyo nach 30 Stunden
Nach rund 30 Stunden Reisezeit kamen wir gegen 18 Uhr im Hotel in Tokyo an. Die Einreise verlief erstaunlich unkompliziert. Etwas Geduld brauchten wir allerdings beim Abholen der JR-Pässe, und auch die Fahrt nach Tokyo dauerte noch fast eine Stunde. Von dort ging es mit der Yamanote-Linie weiter nach Akihabara, Ausgang Central.
Im Hotel buchten wir noch Frühstück für den ersten Tag nach und machten uns anschließend auf die Suche nach Essen. Das erste Essen in Japan wurde dann ausgerechnet chinesisch. Tja, dumm gelaufen. Auf dem Weg dorthin regnete es außerdem ordentlich – Tokyo begrüßte uns also direkt mit internationaler Küche und norddeutschem Wetter.
Danach ging es nur noch kurz in den Supermarkt, um den ersten Snack zu besorgen. Dann duschen und ab ins Bett. Nach 30 Stunden Reisezeit war das wahrscheinlich die sinnvollste Sehenswürdigkeit des Tages.
Quellen
14.05. – Tokyo zwischen Jetlag und Großstadttrubel
7:45 Uhr: Der Wecker klingelt. Der Jetlag zeigte sich direkt einsatzbereit, und das Futon-Bett war ungefähr so hart wie eine gepflasterte Straße. Immerhin gab es ein gutes Frühstück im Hotel.
Danach ging es mit etwas längerer Anfahrt zum MORI Building Digital Art Museum. Die digitalen Kunstwelten waren beeindruckend, teilweise sehr surreal und vermutlich der einzige Ort, an dem man sich gleichzeitig in einem Wald, einem Wasserfall und einer Lichtinstallation verlieren kann.
Anschließend fuhren wir zum Mori Tower beziehungsweise zur Azabudai Hills Sky Lobby. Aus dem 34. Stock hatten wir einen tollen Blick über Tokyo und in Richtung Tokyo Tower. Dazu gab es einen Iced Salted Caramel Café – irgendwo zwischen Kaffee und Dessert, aber durchaus lecker.
Zu Fuß ging es weiter zum Tokyo Tower, den wir bis zur Main Platform hinauffuhren. Danach nahmen wir den Bus nach Shibuya und fuhren im Shibuya Scramble Square in den 13. Stock. In einem spanischen Restaurant aßen wir etwas und genossen den Blick auf die berühmte Shibuya Crossing. Anschließend besuchten wir die Hachikō-Statue. Sie war kleiner und weniger spektakulär als erwartet. Über die Kreuzung liefen wir natürlich mehrfach, damit genügend Videos entstanden – einmal wäre schließlich kein belastbares Beweismaterial gewesen.
Danach ging es zu Fuß zum Meiji-Schrein und weiter zum Shinjuku Gyoen National Garden. Leider war dieser kurz vor 18 Uhr bereits geschlossen. Also liefen wir zur Takeshita Street, wo man in Tiercafés unter anderem mit einem Faultier kuscheln kann. Ziemlich schräg und, zumindest aus unserer Sicht, nicht besonders artgerecht.
Mit dem Bus fuhren wir anschließend nach Shinjuku Golden Gai, einem Viertel mit engen Gassen und winzigen Kneipen. Dort gab es Burger und Bier, bevor wir müde, aber mit vielen Eindrücken ins Hotel zurückkehrten.
15.05. – Zwischen Sumo, Shopping und Lasershow
Auswärts lecker gefrühstückt – is life. Danach ging es kurz in einen riesigen Elektronikladen, um Kameras und Uhren anzuschauen. Fast hätte ich eine Grand Seiko gekauft – aber eben nur fast.
Anschließend fuhren wir nach Ryōgoku, dem Zentrum der japanischen Sumo-Welt. Direkt am Bahnhof sahen wir immerhin drei Sumo-Ringer. Bei der Sumo-Schule selbst war allerdings nichts los. Etwas enttäuschend, aber zumindest hatten wir echte Sumo-Ringer gesichtet.
Weiter ging es zum Kaiserpalast, dessen Gärten leider geschlossen waren. Also machten wir uns auf nach Ginza, Tokyos schickem Einkaufsviertel. Dort schauten wir uns unter anderem den GINZA SIX Rooftop Garden an, bevor wir bei Kaffee und Sandwiches eine Pause einlegten.
Danach ging es zur NTV Big Clock, die zu jeder vollen Stunde ein kleines mechanisches Schauspiel zeigt. Anschließend liefen wir durch den Hamarikyū-Park und genossen etwas Ruhe im Grünen.
Weiter ging es zu Onitsuka Tiger, wo meine Tochter Ballerinas shoppen konnte. Danach zogen wir noch durch die Straßen von Akihabara, bevor wir zum ersten Mal richtig japanisch essen gingen: Wagyu-Rind, sehr lecker und natürlich stilecht mit Stäbchen.
Zum Abschluss fuhren wir zum Tokyo Metropolitan Government Building, gingen auf die Aussichtsplattform und sahen uns noch die Lasershow am Gebäude an. Danach ging es zurück – ein langer, abwechslungsreicher Tag mit Sumo, Shopping, Wagyu und ordentlich Lichtshow.
16.05. – Tokyo im Wochenendmodus
Der Tag begann mit unserem geplanten Cafébesuch. Das Café hatte natürlich geschlossen. Also suchten wir eine Alternative. Eher mittelmäßig, aber der Kaffee war okay. Man muss Prioritäten setzen.
Danach ging es zum Tsukiji Outer Market, dem ehemaligen Umfeld des berühmten Fischmarkts. Ein richtiger Fischmarkt ist es heute nicht mehr, sondern eher eine Ansammlung von Fressbuden, Ständen und sehr vielen Menschen. Da Samstag war, war es brechend voll. Dafür gab es Minifrikadellen aus Kobe-Rind: klein, teuer, sehr lecker.
Anschließend schauten wir uns in Odaiba die Freiheitsstatue an. Nicht spektakulär, aber immerhin gab es eine schöne Wasserfontänen-Show mit klassischer Musik. Danach ging es zur Unicorn-Gundam-Statue, einem riesigen Anime-Roboter, der uns eher nur mäßig beeindruckte. In der Shoppingmall nebenan war es dann so voll, als hätten sämtliche Japaner beschlossen, gleichzeitig einkaufen zu gehen. Meine Tochter versuchte trotzdem zu shoppen, leider ohne Erfolg.
Nach einem Snack bei Starbucks ging es zur Tokyo Station, um die reservierten Sitzplätze am Automaten abzuholen. Die Station ist weniger ein Bahnhof als ein eigener Stadtteil: Locker 30 Minuten kann man dort herumlaufen, ohne den Ausgang zu finden.
Danach besuchten wir den Kaiserpalast und die östlichen Gärten. Nett, aber kein absolutes Highlight. Weiter ging es nach Asakusa zum Sensō-ji, Tokyos ältestem buddhistischen Tempel. Wegen des Sanja Matsuri, eines großen Shintō-Festes, war es dort extrem voll. Wir sahen sogar Menschen, die einen tragbaren Schrein, einen Mikoshi, durch die Straßen trugen. Sehr beeindruckend – unsere Füße fanden es allerdings weniger beeindruckend.
Zum Abschluss ging es auf den Tokyo Skytree, auf 450 Meter Höhe, um den Sonnenuntergang über dem Lichtermeer von Tokyo zu sehen. Wirklich schön. Danach gab es Udon-Nudeln im Foodcourt, stilecht mit Stäbchen, und zum Schluss noch einen Besuch im Minimarkt unseres Vertrauens.
17.05. – Mit Gepäck bergauf nach Hakone
Nach dem Frühstück im Hotel ging es zur Tokyo Station. Den Shinkansen-Bereich fanden wir erstaunlich unkompliziert, und sogar der richtige Zug wurde erwischt – ein guter Start. Nach rund 30 Minuten waren wir in Odawara. Unterwegs zeigte sich schon der Fuji, der offenbar beschlossen hatte, uns an diesem Tag mehrfach zu begleiten.
In Odawara schlossen wir erst das Gepäck ein, kauften den Hakone Freepass für zwei Tage und schauten uns das Odawara-Schloss an. Danach fuhren wir weiter nach Hakone-Yumoto. Dort gab es allerdings keine freien Gepäckschließfächer, also liefen wir die 1,5 Kilometer zum Hotel mit Koffern. Klingt harmlos, wurde zum Ende aber ordentlich steil – und entsprechend schweißtreibend.
Immerhin konnten wir direkt unser Zimmer beziehen: halb japanisch mit Tatami-Matten, halb westlich mit normalen Betten. Anschließend ging es per Shuttle zurück zum Bahnhof und von dort mit der Bergbahn nach Gōra. Erst einmal mussten ein Cheese-Hotdog und ein Iced Latte her – kulinarisch vielleicht nicht traditionell, aber dringend notwendig.
Danach fuhren wir mit der Hakone Tozan Cable Car und der Hakone Ropeway weiter hinauf nach Ōwakudani, einem vulkanischen Tal auf etwa 1.077 Metern Höhe. Dort riecht es nach Schwefel, weil die Gegend geothermisch aktiv ist und früher auch Schwefel abgebaut wurde. Auf dem Weg sahen wir erneut den Fuji. Schön, aber vermutlich auch sein letzter Versuch, uns von den Strapazen abzulenken.
Für die Seilbahn hinunter zum Ashi-See mussten wir lange warten. Als wir endlich ankamen, war es nach 17 Uhr und die Ausflugsboote fuhren nicht mehr. Also blieb uns nur der Bus: 45 Minuten zurück und anschließend wieder den Berg zum Hotel hinauf.
Um 19 Uhr gab es ein japanisches Menü. Vorher konnte meine Frau noch den Oasen testen. Dann aber haben wir uns tapfer durchgekämpft – auch mit Stäbchen. Eine große Leidenschaft wird das bei mir aber wohl trotzdem nicht mehr.
18.05. – Fuji-Blick, Piratenschiff und Grillen
Nach dem Frühstück – es gab sogar westliche Optionen – ging es mit dem Bus nach Sengokuhara. Der Frühstücksraum hatte allerdings eher den Charme eines Schullandheims als den eines japanischen Ryokans. Satt wurden wir trotzdem.
Von Sengoku liefen wir zum Kintoki-Schrein, dem Ausgangspunkt für die Wanderung auf den Mount Kintoki. Der Aufstieg war etwa 80 Minuten lang, ziemlich steil und entsprechend schweißtreibend. Oben wurden wir aber mit einer großartigen Sicht auf den Fuji belohnt. Hat sich also definitiv gelohnt – auch wenn die Beine vermutlich anderer Meinung waren.
Nach einer Pause ging es auf einem anderen Weg zurück nach Sengoku und anschließend mit dem Bus zum Ashi-See. Dort stiegen wir auf eines der berühmten „Piratenschiffe“ von Hakone. Historisch nicht ganz korrekt, aber als Ausflugsboot durchaus unterhaltsam. Nach der Fahrt nach Motohakone konnten wir aus der Ferne noch einen Schrein am See sehen. Mehr war dort allerdings nicht los, vor allem gab es nichts zu essen. Ein gravierender Planungsfehler.
Also fuhren wir zurück nach Hakone-Yumoto, holten uns einen kleinen Snack und ein Bier, danach noch ein Eis. Anschließend ging es erneut zu Fuß den Berg zum Hotel hinauf. Duschen, kurz erholen und um 18 Uhr Abendessen. Dieses Mal durfte man selbst grillen – eine willkommene Abwechslung zum Stäbchen-Koordinationsprogramm.
19.05. – Shinkansen, Tempel und warmes Bier
Der Plan, morgens mit dem Taxi vom Hotel nach Odawara zu fahren, scheiterte leider. Das Hotel war ohnehin schon etwas in die Jahre gekommen – offenbar galt das auch für die Taxi-Organisation. Also ging es mit dem Shuttle des Partnerhotels zum Bahnhof Hakone-Yumoto, von dort mit dem Zug nach Odawara und weiter mit dem Shinkansen nach Tokyo.
In Tokyo stand der Umstieg in den Shinkansen nach Nagano an. Etwas verwirrend: Die Züge haben oft andere Namen als die eigentliche Linie. Trotzdem lief alles erstaunlich problemlos, obwohl die Tokyo Station weiterhin ungefähr die Ausmaße eines kleinen Bundeslandes hat. Der Zug nach Nagano war recht voll, aber wir kamen gut an.
In Nagano liefen wir zu Fuß zum Hotel. Englisch war dort offenbar nicht besonders gefragt, die Verständigung funktionierte eher über Gesten, Lächeln und gegenseitigen Optimismus. Wir gaben nur das Gepäck ab und machten uns direkt auf zum Zenko-ji-Tempel, einem der bedeutendsten buddhistischen Tempel Japans. Er war wirklich schön und deutlich weniger überlaufen als die Sehenswürdigkeiten in Tokyo. Auch die Einkaufsstraße Zenkoji Omotesando nahmen wir dabei gleich mit.
Nach Tempel und Museum gingen meine Frau und ich noch einmal zum Bahnhof, um uns nach dem Bus zu den Snow Monkeys zu erkundigen. Tickets gekauft, zurück zum Hotel, endgültig eingecheckt und kurz die Happy Hour im chinesischen Hotelrestaurant genutzt. Ein Bier ging immer – auch wenn das Restaurant insgesamt eher unter „nun ja“ fiel.
Zum Abendessen wollten wir eigentlich zu Ramen Misoya, das angeblich die besten Ramen der Stadt serviert. Leider war alles voll. Also suchten wir uns ein kleines Restaurant in einer Straße mit vielen Lokalen und bekamen dort trotzdem sehr gute Ramen. Der Laden war typisch japanisch: klein, funktional und nicht gerade auf Gemütlichkeit optimiert. Aber lecker war es.
Danach liefen wir noch einmal Richtung Tempel, machten ein paar Fotos und kehrten auf dem Rückweg in einer kleinen Brauerei ein. Dort gab es warmes Bier – gewöhnungsbedürftig, aber immerhin eine Erfahrung mehr auf der Japan-Liste.
20.05. – Snow Monkeys und Nagano in Grau
Der Tag sollte früh beginnen, schließlich wollten wir um 7 Uhr frühstücken. Meine Frau hatte den Wecker allerdings auf 07:45 Uhr gestellt. Glücklicherweise wurde ich um 7:02 Uhr wach – es wurde also etwas hektisch, aber wir schafften es trotzdem zum Frühstück. Immerhin mit schöner Aussicht.
Danach ging es zum Bahnhof und um 9 Uhr mit dem Bus zu den Snow Monkeys im Jigokudani Monkey Park. Nach knapp 50 Minuten Busfahrt und weiteren 30 Minuten Fußweg waren wir da. Die Japanmakaken in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten, war wirklich toll. Besonders berühmt sind sie dafür, im Winter in heißen Quellen zu baden – im Mai musste allerdings niemand von ihnen dringend ins warme Wasser.
Zur Stärkung gab es anschließend kreative Apfelvariationen: Apfelkuchentasche, Apfel-Pizza oder Wrap. Kulinarisch schwer einzuordnen, aber nach dem Fußmarsch völlig akzeptabel.
Um 13:30 Uhr ging es mit dem Bus zurück nach Nagano. Nach einem kurzen Halt im Hotel liefen wir noch einmal die Haupt- und Einkaufsstraße entlang – jeweils hoch und runter, um festzustellen, dass erstaunlich viele Geschäfte geschlossen hatten. Öffnungszeiten scheinen in Japan mitunter eher unverbindliche Empfehlungen zu sein: Im Zweifelsfall ist zu.
Auch der Park war überschaubar, und Nagano hatte insgesamt einen etwas grauen, funktionalen Charme. Früh am Abend gab es Pizza und drei kleine Bierproben. Beides eher Kategorie „kann man machen“. Danach noch schnell in den Minimarkt und bereits um 19 Uhr aufs Zimmer. Wir waren alle ziemlich erledigt.
21.05. – Kanazawa: Regen, Gärten und Samurai
Heute konnten wir bis 8 Uhr ausschlafen, frühstückten entspannt und fuhren anschließend zum Bahnhof. In weniger als einer Stunde ging es weiter nach Kanazawa. Dort erwartete uns, wie schon in Nagano, zuverlässig Regen. Japan zeigte sich wettertechnisch weiterhin von seiner norddeutschen Seite.
Nach dem Weg zum Hotel gaben wir das Gepäck ab und liefen zum Ōmichō-Markt. Dort gibt es praktisch alles: frischen Fisch, Obst, Süßigkeiten, kleine Restaurants und vermutlich auch Dinge, von denen man nie wusste, dass man sie braucht. Danach ging es im Regen weiter zum Kanazawa-Schloss. Wir liefen über das weitläufige Gelände, bevor wir den Kenroku-en besuchten – einen der berühmtesten japanischen Landschaftsgärten. Wirklich schön, auch wenn der Dauerregen die Sache eher zur feuchten Gartenbesichtigung machte.
Im Hotel konnten wir anschließend einchecken und das Willkommensgetränk testen. Der angebotene Sake überzeugte allerdings nicht. Danach wurde die Waschmaschine begutachtet, denn meine Tochter musste dringend waschen. Ein Vorhaben, das später noch an der japanischen Realität scheitern sollte.
Am Abend machten wir uns auf in das Nagamachi-Viertel, ein ehemaliges Samurai-Wohngebiet mit schmalen Straßen und alten Lehmwänden. Unterwegs schauten wir noch beim Ōyama-Schrein vorbei. Die Nomura-ke-Samurairesidenz konnten wir nur von außen sehen, da sie bereits geschlossen hatte. Immerhin fanden wir im Viertel noch etwas zu essen.
Zurück im Hotel dann die Ernüchterung: Alle Waschmaschinen waren belegt. Die Wäsche musste also noch eine weitere Nacht durchhalten.
22.05. – Shirakawa-gō, Geishas und Sushi vom Förderband
Um 6 Uhr ging es aus dem Bett und zum Frühstück, denn am Bahnhof wartete unsere GetYourGuide-Tour. Natürlich begann es pünktlich vor der Abfahrt wieder zu regnen. Nach etwa 1 Stunde und 20 Minuten erreichten wir jedoch Shirakawa-gō – ein Bergdorf mit den berühmten strohgedeckten Gasshō-zukuri-Häusern. Es wirkt wie ein Freilichtmuseum, ist aber tatsächlich noch bewohnt.
Dort hatte das Wetter plötzlich ein Einsehen: Sonne, tolle Bergsicht und endlich einmal kein Dauerregen. Wir liefen durch das Dorf und stiegen zum Aussichtspunkt hinauf. Oben gab es um 10 Uhr erst einmal Softeis – für gute Aussichten gelten schließlich keine festen Frühstückszeiten. Meine Frau probierte außerdem Gohei-Mochi, einen Reisspieß mit Miso-Soße.
Um 11:40 Uhr ging es zurück, und gegen 13 Uhr erreichten wir einen japanischen Garten. Dort kaufte meine Frau noch Porzellan, bevor wir zum Hotel zurückfuhren. Meine Tochter hatte schließlich Waschtag, der inzwischen fast den Status eines Großprojekts angenommen hatte.
Nach einer kurzen Pause besuchten wir das Higashi-Chaya-Viertel, eines der historischen Geisha-Viertel von Kanazawa. Zunächst warteten wir allerdings über eine halbe Stunde auf einen Snack, weil das Personal offenbar komplett überfordert war. Danach bummelten wir durch die alten Straßen, und ich kaufte mir eine Uhr von Knot – einer japanischen Marke, die unter anderem für individuell kombinierbare Uhren bekannt ist.
Später ging es noch einmal zum Bahnhof: Suica-Karte aufladen, bei 7-Eleven Bargeld holen und anschließend Kaiten-Sushi bei Sushi Kuine! essen. Sushi vom Förderband ist nicht nur Essen, sondern eine kleine Attraktion: Man sitzt da, wartet und plötzlich fährt das Abendessen an einem vorbei.
Auf dem Rückweg schauten wir noch an einem Tempel vorbei und liefen erneut durchs Geisha-Viertel. Abends war dort allerdings nicht mehr viel los. Also zurück zum Hotel – natürlich nicht ohne vorher im Minimarkt Bier und Wasser für den Tagesausklang einzukaufen.
23.05. – Kyoto: Menschenmassen, Tempel und Doppelstockbett
Nach dem Ausschlafen bis 8 Uhr und dem Frühstück wollten wir eigentlich direkt zum Bahnhof. Zuvor mussten wir allerdings noch einem kleinen indischen Mädchen helfen, das im Hotel seine Eltern verloren hatte. Nicht unbedingt Teil des Reiseplans, aber glücklicherweise ließ sich die Situation klären.
Danach ging es zunächst nach Tsuruga und nach dem Umstieg weiter nach Kyoto. Schon der Bahnhof machte deutlich: Kyoto ist groß, voll und dauerhaft in Bewegung. Wir nahmen ein Taxi zum Hostel und stellten schnell fest, dass die ganze Stadt ziemlich busy ist.
Nach dem Einchecken liefen wir zum Nishiki-Markt. Voll war es natürlich auch dort, aber noch im erträglichen Bereich. Anschließend fuhren wir mit dem Bus zum Ginkaku-ji, dem „Silbernen Pavillon“. Vorher gab es zur Stärkung noch Kaffee und Kuchen. Der Tempel und seine Gartenanlage waren wirklich schön.
Danach gingen wir den Philosophers Path entlang. Der klingt deutlich tiefsinniger, als er letztlich war – nett, aber kein persönlicher Erleuchtungsmoment. Mit dem Expressbus fuhren wir weiter zum Kiyomizu-dera. Den Weg hinauf kämpften wir uns zunächst durch Menschenmassen, kamen aber kurz vor 18 Uhr am Tempel an und durften noch etwa 20 Minuten hinein. Sehr schön – und zu dieser späten Zeit erfreulich leerer als erwartet.
Dort tranken wir aus zwei der drei Quellen des Otowa-Wasserfalls. Jede Quelle steht traditionell für einen Wunsch, etwa Gesundheit, Liebe oder Erfolg. Aus allen drei zu trinken gilt allerdings als gierig und soll Unglück bringen. Wir blieben also vernünftig.
Danach ging es durch enge Gassen Richtung Gion. Unterwegs besuchten wir noch den Yasaka-Schrein, der im Dunkeln besonders schön beleuchtet war. Im Gion-Viertel aßen wir in einem kleinen Lokal direkt am Tresen, vermutlich koreanisch, wo das Essen direkt vor uns zubereitet wurde. Nicht ganz gemütlich, aber eine Erfahrung.
Auf dem Rückweg schauten wir noch durch die Ponto-chō-Alley, eine schmale Restaurantgasse am Kamo-Fluss. Danach ging es zu Puma, wo meine Tochter rote Speedcats kaufte. Zum Abschluss noch schnell in den Minimarkt und zurück ins Hostelzimmer mit Doppelstockbett.
Wichtigste Kyoto-Erkenntnis des Tages: Bargeld ist hier weiterhin König – und Kyoto ist leider deutlich voller und hektischer, als man es sich vorher ausmalt.
24.05. – Gold, Steingarten und rote Tore
Bereits um 8 Uhr ging es zum Frühstück, danach mit der Bahn zum Toren Kinkaku-ji, dem berühmten Goldenen Pavillon. Obwohl es schon brechend voll war, war der goldene Tempel am Teich wirklich beeindruckend. Anschließend gönnten wir uns im Teehaus Matcha und ein kleines süßes Gebäckstück – unsere sehr vereinfachte Version einer Teezeremonie.
Von dort liefen wir zum Ryōan-ji, einem alten Zen-Tempel mit einem berühmten Steingarten. Sehr ruhig, sehr schlicht und erstaunlich beeindruckend, obwohl dort im Grunde nur Steine und geharkter Kies liegen. Danach ging es mit dem Bus Richtung Kaiserpalast. Der war eher wenig spektakulär, aber der Rundgang durch die Anlage war trotzdem ganz nett.
Zu Fuß liefen wir weiter zur Burg Nijō, der ehemaligen Residenz des Shōguns in Kyoto. Vorher stärkten wir uns mit ein paar Teilchen an der Bushaltestelle und später noch mit einem Latte und Käsekuchen. Die Burg selbst war dagegen ein echtes Highlight: Der Rundgang durch die historischen Gebäude und Anlagen lohnte sich sehr.
Als die Anlage schloss, fuhren wir mit der Bahn zurück zur Unterkunft. Meine Frau und ich nutzten noch kurz die Dachterrasse für eine Pause, bevor es schon wieder weiterging: zum Fushimi Inari-Taisha mit seinen unzähligen roten Torii-Toren.
Danach suchten wir noch einen nahegelegenen Bambuswald auf, der weniger überlaufen sein sollte als der bekannte Bambuswald von Arashiyama. Der Bambus war schön, der Weg dorthin allerdings etwas fragwürdig – eigentlich gesperrt, ziemlich steil und bei einsetzender Dunkelheit auch leicht unheimlich. Der angebliche Geheimtipp, die roten Tore abends zu besuchen, war übrigens offenbar in jedem Reiseführer der Welt zu finden. Es war immer noch voll, aber zumindest weniger schlimm als tagsüber.
Danach ging es mit der Bahn zurück Richtung Gion. Auf dem Weg zum Hotel gab es noch Ramen – ein zuverlässiger Abschluss für einen langen Kyoto-Tag.
25.05. – Nara, Hirsche und ein Onsen-Fehlstart
Um 8 Uhr ging es wieder zum Frühstück, danach zum Nishiki-Markt. Diesmal war noch erstaunlich wenig los, sodass wir entspannt schauen konnten – offenbar existiert Kyoto tatsächlich auch ohne Menschenmassen. Anschließend zurück zum Hostel, auschecken, mit dem Taxi zum Bahnhof und das Gepäck in Schließfächer verstauen.
Danach ging es auf den Kyoto Tower, um Kyoto einmal von oben zu sehen. Meine Frau versuchte anschließend am Bahnhof noch Matcha zu kaufen, leider ohne Erfolg. Dadurch waren wir etwa eine Stunde zu früh am Gleis – genug Zeit, sich auf die Fahrt nach Nara einzustellen.
Der Zug war eher eine Bimmelbahn als ein Express. Kaum losgefahren, blieb er auch schon wieder stehen: Jemand hatte offenbar eine Notfallüberquerung am Bahnübergang ausgelöst. Ergebnis: rund 30 Minuten Verspätung, aber keine Erklärung und erst recht keine Entschuldigung. Japanische Pünktlichkeit hatte offenbar frei.
Das Hotel in Nara lag direkt am Bahnhof und war wirklich schön. Anschließend liefen wir Richtung Sehenswürdigkeiten und machten zunächst Halt in einem indischen Café. Es gab Kaffee und irgendetwas Unklares zu essen, dazu ein Foto mit dem Besitzer für Instagram. Warum auch immer – aber nun existiert es wahrscheinlich im Internet.
Danach besuchten wir den Kōfuku-ji und gingen in den Nara-Park, um die berühmten frei laufenden Hirsche zu sehen. Die Tiere gelten im Shintō traditionell als Boten der Götter, wissen aber vor allem sehr genau, wer noch Hirschkekse besitzt.
Ein geplanter Garten hatte schon geschlossen, ebenso der Kaidan-in-Tempel nach einigen Stufen bergauf. Der Nigatsu-dō-Tempel war dagegen noch offen und wirklich schön gelegen, mit weitem Blick über Nara. Danach ging es durch Naramachi, das ehemalige Kaufmannsviertel – laut Reiseführer charmant, für uns allerdings eher unspektakulär.
Unterwegs sahen wir noch das große Nandaimon-Holztor des Tōdai-ji und den Sagi-ike-Teich mit Brücke. In der Nähe gab es Abendessen: Spaghetti Carbonara, stilecht mit Gabel und Löffel. Auf dem Rückweg kauften wir im großen Supermarkt am Bahnhof noch Bier und Eis.
Im Hotel wollte meine Frau anschließend in den Onsen. Der Besuch endete allerdings nach sehr kurzer Zeit, weil sich ihre Pflaster lösten. Wellness kann manchmal erstaunlich schnell vorbei sein.
26.05. – Mönche, Hirsche und Osakas Lichtermeer
Um 8 Uhr standen wir auf und gingen frühstücken. Das Frühstück war eher asiatisch geprägt, aber völlig in Ordnung. Danach liefen wir zum Kasuga-Taisha-Schrein. Obwohl es noch früh war, kamen bereits Busladungen an Tagestouristen an. Unterwegs hörten wir eine Nara-Hirschkuh nach ihrem Jungen rufen – zwischen all den Menschen ein überraschend ruhiger und schöner Moment.
Der Kasuga-Taisha war wirklich beeindruckend, besonders mit seinen vielen Stein- und Bronzelaternen. Danach suchten wir den Eingang zum Yoshiki-en-Garten, der sich erstaunlich gut versteckt hatte. Der Garten selbst war eher Kategorie „ganz nett“, aber wenigstens konnten wir dort kurz dem Touristentrubel entkommen.
Meine Frau wollte anschließend noch in die Große Buddha-Halle des Tōdai-ji. Der Andrang war riesig, doch der Besuch lohnte sich: In der Halle steht eine der größten bronzenen Buddha-Statuen der Welt. Als besonderes Highlight kamen etwa 100 Mönche für eine Prozession in den Tempel. Kinder sangen dazu, und meine Frau war so gerührt, dass sogar ein paar Tränen flossen.
Danach brauchten wir dringend Kaffee und Sandwiches in der Haupteinkaufsstraße. Bis wir das Gepäck aus dem Hotel geholt hatten, war es fast 15 Uhr. Dann ging es mit dem Zug weiter nach Osaka.
Dort irrten wir erst einmal durch den Bahnhof, um den Taxistand zu finden – Bahnhofsorientierung bleibt offenbar eine japanische Langzeitprüfung. Das Hotel lag im Business District mitten in Downtown, war sehr schön und hatte sogar Wein als Begrüßungsgetränk. Eine solide Basis für Osaka.
Nach einer kurzen Pause fuhren wir mit der U-Bahn nach Dōtonbori, direkt hinein ins Lichtermeer aus Neonreklamen, Restaurants und Menschenmassen. Wir suchten uns ein Restaurant aus, in dem offenbar fast nur Japaner aßen. Bestellt wurde über Nummern, gegessen wurden Spieße, und das große Bier hatte ungefähr die Größe eines kleinen Aquariums – fast ein Liter. Wieder einmal eine ausgezeichnete Restaurantwahl.
Danach bummelten wir weiter bis zum Ebisu Tower, einem ovalen Riesenrad direkt am Kanal. Anschließend ging es zurück zum Hotel – Osaka war damit erfolgreich als laut, leuchtend und sehr bierfreundlich abgespeichert.
27.05. – Regen, Ramsch und ein enttäuschendes Aquarium
Um 8 Uhr klingelte der Wecker. Die Nacht war eher unentspannt, weil Meine Frau offenbar ein kleines Schnarchkonzert gegeben hatte. Das Frühstück entschädigte aber zumindest teilweise: Pancakes und weitere leckere Sachen sorgten für einen deutlich besseren Start.
Bei Regen ging es zum Osaka-Schloss – natürlich ohne Schirm oder Poncho. Die Anlage war ziemlich voll, und der Ausblick fiel wetterbedingt eher mäßig aus. Ganz nett, aber für uns kein absolutes Muss.
Danach besuchten wir Tenjinbashisuji, eine mehrere Kilometer lange überdachte Einkaufsstraße und angeblich die längste Shopping-Arkade Japans. Klingt beeindruckender, als es war: Viel Ramsch, wenig Begeisterung. Immerhin gab es japanische Pancakes, und die retteten den Abschnitt kulinarisch.
Mit der U-Bahn ging es weiter zum Hafenviertel Tempozan. Dort befinden sich das große Riesenrad, ein Kreuzfahrtterminal und das Osaka Aquarium Kaiyukan, das in Reiseführern und auf Social Media regelmäßig als Pflichtprogramm gefeiert wird. Unsere Tickets waren allerdings erst für 16:30 Uhr, also verbrachten wir noch etwa 1,5 Stunden in der benachbarten Mall – Cola inklusive.
Das Aquarium selbst war dann leider enttäuschend. Besonders die großen Tiere, darunter Walhaie, wirkten in den Becken sehr beengt. Außerdem sah man viele Fischarten immer wieder, weil man um dieselben großen Becken herumgeführt wurde. Nicht das Erlebnis, das uns die Influencer versprochen hatten.
Auf dem Rückweg gab es zur Versöhnung einen wirklich leckeren Wagyu-Burger. Danach zurück ins Hotel und zum Tagesabschluss noch ein Highball in der Lobby – japanischer Whisky mit Soda. Nach Regen, Ramsch und Aquarium genau das Richtige.
28.05. – Osaka zwischen Einkauf, Aal und Aussicht
Um 7:45 Uhr klingelte der Wecker. Die Nacht war erneut nicht besonders erholsam, aber nach einem entspannten Frühstück ging es trotzdem los. Erster Stopp war der Namba-Yasaka-Schrein, bekannt für seine riesige Löwenkopf-Bühne. Ganz interessant, aber insgesamt nicht besonders beeindruckend.
Danach besuchten wir den Namba Parks Canyon, ein modernes Einkaufs- und Büroareal auf dem Gelände eines ehemaligen Baseballstadions. Namba selbst ist ohnehin ein riesiges Shoppinglabyrinth – unterirdisch gefühlt noch größer als oberirdisch. Es gibt dort sehr viele Läden, darunter auch genug für Menschen mit deutlich größeren Kreditkartenlimits.
Zu Fuß ging es weiter nach Amerikamura, einem Viertel mit Secondhandläden, Cafés und angeblicher Street-Art-Atmosphäre. Die Street Art hielt sich allerdings gut versteckt. Der erste Caféversuch war ein Totalausfall: Kaffee und Käsekuchen waren ungenießbar, unsere Pancakes immerhin okay. Der zweite Versuch in einem anderen Café lief deutlich besser.
Danach wurde erfolgreich geshoppt: Meine Tochter kaufte eine Adidas-Jogginghose, meine Frau Adidas-Schuhe. Weiter ging es zum Kuromon-Markt, der wirklich nett war. Dort probierten wir Aal – lecker und deutlich besser als der erste Kaffee des Tages. Weil die Beine langsam aufgaben, gab es anschließend noch eine Limo zur Stabilisierung.
Danach fuhren wir zum Umeda Sky Building. Allein der Weg aus der riesigen und völlig unübersichtlichen U-Bahn-Station dauerte gefühlt eine kleine Ewigkeit. Das Gebäude selbst war jedoch beeindruckend, und von oben hatten wir einen tollen Blick über Osaka – selbst bei komplett bewölktem Himmel.
Da die Handy-Akkus langsam in den roten Bereich gingen, machten wir uns auf den Rückweg. An der Station Yodoyabashi entschieden wir uns, direkt unterirdisch essen zu gehen. Die Speisekarte gab es ausschließlich auf Japanisch, was die Bestellung zu einem kleinen Glücksspiel machte: Meine Tochter bekam Pizza Margherita, ich zwei frittierte Hühnchenteile und meine Frau Dim Sum mit Bauchfleisch und Gemüse im Bambuskörbchen. Nicht unbedingt geplant, aber definitiv eine Erfahrung.
29.05. – Hiroshima, Koi und Sushi im Schnellverfahren
Um 7 Uhr klingelte der Wecker, denn der Shinkansen sollte bereits um 10:22 Uhr in Shin-Osaka abfahren. Nach einem netten Frühstück ging es mit der U-Bahn zum Bahnhof. Osaka scheint allerdings komplett untertunnelt zu sein: Man läuft gefühlt endlos durch Gänge, bis man irgendwann das richtige Gleis erreicht.
Die Fahrt verlief problemlos, und nach etwa 1,5 Stunden kamen wir in Hiroshima an. Der Bahnhof war zwar voll, aber deutlich übersichtlicher und entspannter als in Osaka. Mit dem Taxi ging es zum Hotel, das von außen eher zurückhaltenden Charme versprühte. Wir gaben das Gepäck ab und machten uns auf die Suche nach Kaffee und Kuchen.
Dabei fanden wir ein sehr nettes, fast leeres Café. Meine Frau und ich bestellten Waffeln mit Eis und Käseraspeln. Eine ungewöhnliche Kombination, aber erstaunlich lecker – Japan bleibt kulinarisch ein Ort der Überraschungen.
Danach liefen wir zum Shukkeien-Garten. Ein wirklich schöner und ruhiger japanischer Garten mit Teichen, Brücken und vielen Koi-Karpfen. Nach den vergangenen Großstadtetappen war das genau die richtige Dosis Entspannung.
Nach dem Einchecken legte ich mich kurz hin, während die Mädels den sogenannten „Swimmingpool“ erkundeten – gemeint war natürlich der Aufenthaltsbereich des Hotels, nicht etwa sportliche Betätigung. Später kam ich dazu, bevor wir erneut in die Fußgängerzone aufbrachen.
Zum Abendessen sollte es Kaiten-Sushi bei Sushiro geben. Es war jedoch ziemlich hektisch und nicht ganz so gut wie unser erstes Sushi vom Förderband. Danach bummelten wir weiter durch die Fußgängerzone und kehrten noch bei Hiroshima Neighborly Brewing ein. Das Bier war lecker, die Stimmung gut.
Zurück im Hotel hatte meine Tochter Me-Time, während wir wieder im „Swimmingpool“ landeten. Ein würdiger, ruhiger Abschluss für den ersten Hiroshima-Tag.
30.05. – Hiroshima: Geschichte, Stille und eine neue Klimaanlage
Kurz vor 8 Uhr standen wir auf, denn das Frühstück war für 8:30 Uhr gebucht. Es fiel eher überschaubar aus: ein Crêpe mit Spiegelei, Schinken und Käse, dazu recht dünner Kaffee. Danach meldeten wir an der Rezeption unsere Klimaanlage, die zwar laut arbeitete, aber keinerlei Interesse daran zeigte, das Zimmer zu kühlen.
Erster Programmpunkt war das Hiroshima-Schloss. Es war nur von außen zu besichtigen und nicht übermäßig spektakulär, aber bei bestem Wetter ließ es sich dort angenehm herumlaufen. Hiroshima wirkte insgesamt deutlich ruhiger und entspannter als die bisherigen Großstädte.
Auf dem Weg zum Friedensmuseum stärkten wir uns im Hiroshima Central Park mit Pancakes und Café Latte. Danach ging es zum Atombombendom, einem der wenigen Gebäude nahe des Hypozentrums, das als Ruine stehen blieb, und anschließend über die Brücke in den Friedenspark.
Im Friedensmuseum schilderte der Audioguide die Geschichte des Atombombenabwurfs vom 6. August 1945 und seine Folgen sehr eindringlich. Nach dem Besuch waren wir entsprechend still und brauchten erst einmal eine Pause.
Anschließend besuchten wir noch die Gedenkhalle für die Opfer der Atombombe, den Kenotaph, die Friedensflamme, das Kinder-Friedensdenkmal mit seinen unzähligen Papierkranichen, die Friedensglocke, den Grabhügel für die Opfer und das Denkmal für koreanische Opfer der Atombombe. Danach war der Tag inhaltlich auch wirklich voll.
Auf dem Rückweg gab es Eistee und Sandwiches. Die Bedienung setzte uns dabei in einen separaten Raum – ob aus Gastfreundschaft oder weil wir nach dem Museum etwas sehr bedrückt wirkten, blieb offen. Meine Frau kaufte noch Tee, dann ging es zurück ins Hotel.
Dort bestätigte man endlich, dass die Klimaanlage tatsächlich defekt war. Wir bekamen ein neues, deutlich geräumigeres Zimmer. Die Mädels gingen noch nach oben, ich machte Pause. Da wir alle ziemlich platt waren, unternahmen wir abends nur noch einen Spaziergang und aßen einen Caesar Salad. Danach zurück ins Hotel und zum Abschluss noch ein Bier im „Swimmingpool“.
31.05. – Miyajima, Bergtour und Okonomiyaki
Um 7:30 Uhr ging es zum Frühstück. Die Nacht war erneut nicht besonders erholsam, und auch das Frühstück blieb überschaubar. Danach machten wir uns aber früh auf den Weg: mit der U-Bahn zum JR-Bahnhof, weiter nach Miyajimaguchi und von dort mit der Fähre auf die Insel Miyajima. Alles klappte erstaunlich reibungslos, dazu gab es bestes Wetter.
Auf Miyajima ging es zuerst zum Itsukushima-Schrein bei Flut. Das große rote Torii vor der Insel steht dann scheinbar im Wasser – eines der bekanntesten Fotomotive Japans und tatsächlich sehr schön. Danach besuchten wir den Daishō-in-Tempel, eine beeindruckende Anlage mit vielen kleinen Statuen. Darunter befinden sich auch die 500 Jizō-Figuren, Schutzheilige für Reisende und Kinder, die oft fälschlicherweise einfach als Buddhas bezeichnet werden.
Anschließend begann der Aufstieg auf den Berg Misen: etwa 90 Minuten und über 520 Höhenmeter. Ziemlich steil, ziemlich anstrengend, aber mit großartigen Ausblicken als Belohnung. Zurück ging es dann deutlich bequemer mit der Seilbahn.
Im Ort machten wir erst einmal Pause mit Kaffee und Sandwiches. Auf dem Weg zur Fähre entdeckten wir noch eine kleine Brauerei und tranken schnell ein Bier. Danach ging es zurück aufs Festland, direkt in die Bahn nach Hiroshima und mit der Straßenbahn weiter zum Hotel.
Nach dem Duschen wollten wir eigentlich nach Hiroshima Okonomimura, einem Gebäude voller kleiner Lokale, die sich auf Okonomiyaki spezialisiert haben. Die Auswahl war groß, die Gastfreundschaft allerdings wechselhaft: Teilweise wurden wir ignoriert, teilweise war nur Barzahlung möglich. Also zogen wir weiter.
In Hotelnähe fanden wir stattdessen ein deutlich besseres Restaurant. Es stellte sich als Fine-Dining-Lokal heraus, und außer zwei Japanern waren wir die einzigen Gäste. Das Okonomiyaki wurde direkt vor uns auf der heißen Platte zubereitet – sehr lecker und ein echtes Erlebnis.
01.06. – Kamakura, Strand und nasse Hosen
Heute ging es früh los, denn das Frühstück war bereits für 7 Uhr angesetzt. Danach packten wir unsere Sachen, checkten aus und bekamen überraschend schnell ein Taxi zum Bahnhof. So waren wir viel zu früh dort, aber immerhin verlief die Zugfahrt entspannt. In Shinagawa erwischten wir auch zeitnah den Anschlusszug nach Kamakura.
Im Hotel konnten wir direkt einchecken. Meine Tochter hatte diesmal sogar ihr eigenes Zimmer – vermutlich ein großer Gewinn für alle Beteiligten. Nach einer kurzen Frischmach-Pause ging es erst einmal zu Kaffee und Käsekuchen. Ein inzwischen bewährter Programmpunkt.
Danach liefen wir zum Strand und spazierten am Wasser entlang. Dort sahen wir Schwarzmilane, die offenbar dieselbe Geschäftsidee wie Möwen verfolgen: unbeaufsichtigtes Essen bei Touristen abgreifen. Der Strandspaziergang endete allerdings etwas feucht, denn die Hose war schnell nass. Also zurück ins Hotel, umziehen und kurz erholen.
Am Abend ging es Richtung Bahnhof zu einem Italiener, wo wir ein Menü aßen. Danach noch kurz zu FamilyMart – schließlich gehört ein Besuch im Minimarkt inzwischen ebenso zuverlässig zum Tagesprogramm wie der Zugverkehr. Anschließend zurück ins Hotel.
02.06. – Tempel, Kuchen und Typhoon-Chaos
Heute ging es etwas später zum Frühstück, nämlich erst um 9 Uhr. Danach liefen wir zum Kōtoku-in mit dem großen Buddha von Kamakura. Die Statue ist beeindruckend, man kann sie sogar von innen betreten – was allerdings eher weniger spektakulär ist, als es zunächst klingt.
Danach besuchten wir den Hase-dera. Anders als beim Großen Buddha handelt es sich um eine weitläufige Tempelanlage mit Gärten, kleinen Wegen und Blick Richtung Meer. Wirklich schön und deutlich mehr als nur ein kurzer Fotostopp.
Anschließend gab es Kaffee und Kuchen im Café Bergfeld. Die Mädels wollten danach noch shoppen, während ich eigentlich eine Pause im Zimmer geplant hatte. Daraus wurde allerdings nichts: Wegen eines Typhoons wurde unser Rückflug verschoben. Dadurch würden wir den Anschlussflug in Hongkong verpassen und dort rund 22 Stunden warten müssen.
Der Nachmittag bestand somit nicht aus Erholung, sondern aus Flugplänen, Verbindungen und der Frage, wie man aus einer ungeplanten Übernachtung in Hongkong noch das Beste machen könnte.
03.06. – Typhoon, Zugausfälle und Abflug auf später
Um 8:30 Uhr ging es zum Frühstück. Wir konnten glücklicherweise erst um 11 Uhr auschecken und hatten daher noch etwas Zeit im Zimmer. Danach drehten wir eine Runde um den Block. Vom angeblich so dramatischen Typhoon war wenig zu merken: etwas Regen, etwas Wind – im Grunde ein normaler Nachmittag an der Nordseeküste. Japan reagierte trotzdem vorsichtshalber mit teilweise eingestelltem Zugverkehr und gestrichenen Flügen.
Nach einem Kaffee zog es meine Frau bereits zum Bahnhof. Den gewünschten Zug nach Shinagawa bekamen wir auch, doch dort stellte sich heraus, dass der Narita Express komplett ausfiel. Also ging es mit der Bimmelbahn zum Flughafen. Dort gaben wir extrem früh unser Gepäck ab. Hilfe bei möglichen Umbuchungen gab es am Schalter allerdings nicht. Da unser Abflug nun vier Stunden später war, begann die Wartezeit schon vor dem Sicherheitsbereich.
Schließlich ging es nach Hongkong – allerdings mit dem Wissen, dass dort eine sehr lange Nacht auf uns wartete.
04.06. – Hongkong: Terminal-Biwak und Lounge-Luxus
Um 2:30 Uhr landeten wir in Hongkong. Der Terminal war voller Menschen, die sich irgendwo zwischen Stühlen, Boden und Gepäck einen Schlafplatz gesucht hatten. Wir machten mit. Bequem war es nicht, Schlaf gab es praktisch auch nicht.
Da ich ohnehin wach war, erkundete ich ab 5:30 Uhr den Flughafen, besorgte Kaffee und fragte nach dem Serviceschalter der Fluggesellschaft. Dieser sollte angeblich um 6 Uhr öffnen – tat er natürlich nicht. Gegen 6:30 Uhr erschien schließlich jemand. Nach längerer Wartezeit und mehrfachem Nachfragen bekam ich wenigstens einen Lounge-Voucher, damit wir duschen konnten. Die anderen beiden Gutscheine mussten später organisiert werden. Service mit Hindernislauf.
Nach dem Frühstück schlugen wir weiter Zeit tot, bis wir gegen 13:30 Uhr in die Business Lounge nahe Gate 65 durften. Die war riesig, sehr komfortabel und nach der Terminalnacht ungefähr das Beste, was uns passieren konnte. Wir änderten daher den Plan: möglichst lange dort bleiben, mehrfach essen, trinken, duschen und auf bequemen Sitzen existieren. Der Weiterflug nach Mailand ging schließlich erst um 0:50 Uhr.
05.06. – Endspurt nach Münster
Der Flug nach Mailand startete leicht verspätet. Premium Economy lohnte sich diesmal aber wirklich: Wir waren alle völlig erledigt, konnten schlafen und so vergingen die 13,5 Stunden erstaunlich schnell.
In Mailand wurde es dann sportlich. Wegen der späten Ankunft mussten wir einmal quer durch den Flughafen joggen und erreichten unseren Anschlussflug beim „Last Call“. Das Gepäck schaffte es tatsächlich ebenfalls mit – ein kleines Wunder der internationalen Luftfahrt.
Nach einem kurzen Flug nach Frankfurt landeten wir um 10:15 Uhr. Den Zug kurz nach 11 Uhr bekamen wir noch, obwohl er natürlich Verspätung hatte. Preis: rund 380 Euro für drei Personen in der zweiten Klasse. Anschließend ging es verspätet weiter nach Münster, dort noch mit dem Taxi nach Hause.
Nach sagenhaften 57 Stunden war die Rückreise damit endlich beendet. Japan war großartig – aber das eigene Bett war in diesem Moment vermutlich die größte Sehenswürdigkeit der Welt.